Winterreisen im Norden

Winterreisen mit dem Gespann
im besonderen: Norwegen

Immer wieder von Interesse möchte ich nachfolgend meine marginalen Erfahrungen zum Wohl und Frommen geneigter Nachahmungstäter in Bits und Bytes verbreiten. Es geht hier nicht um den kleinen Sprint zum sonntäglichen Treffenplatz, sondern um die mehrtägige Reise bei Temperaturen deutlich unter 0°C. Es ist nicht das perfekte Roadbook, nur meine persönlichen Erfahrungen – subjektiv !

Ich bitte von Fragen nach Herstellern oder Preisen abzusehen, Google ist Dein Freund ! Anbieter und Preise ändern sich zu schnell, wo möglich gebe ich Hinweise, die sind aber keineswegs erschöpfend. Noch eines: Jeder (Winter-) Fahrer ist für sich selbst verantwortlich, ich kann und will keinerlei Haftung oder Garantie für Ausrüstung, Hinweise oder Produkte übernehmen.

Gespannfahren auf Eis & Schnee

Verlaßt Euch nicht darauf dass die Straßen frei sind – bei den kleineren Verbindungen im Hochland kann es schon mal Stunden bis Tage dauern bis ein Räumfahrzeug auftaucht. Wir haben erfahren, das bei  rumreiten mit einem langsamen Russengespann im Dunkeln tunlichst die großen Verbindungsstraßen zu meiden sind. Man ist schlecht zu sehen, sieht selber fast nichts voraus und zieht schnell eine kilometerlange Schlange gottlob geduldiger Norweger hinter sich her.

Nebenstrecken in den Bergen haben Steigungen und Serpentinen welche Alpenpässe wie Autobahnen erscheinen lassen, sind schon mal  nicht asphaltiert, oft einspurig und haben meist keine Leitplanken – dafür Schneeanschüttungen vom Räumdienst, die betonhart gefroren sein können. Dies kombiniert mit einer durch überfrierenden Regen hochglanzpolierten Eisdecke sorgt schon mal für Adrenalinschübe.

Interessante Erfahrung wie auch am Gamstein 2007, gerne auch Killerstein genannt ob seines kupplungmordenden Tiefschnees: Es kommt viel auf den Fahrer an ! Bernd mit seinem Seitenventiler ist einmal derart davongezogen dass selbst die 750er Probleme hatten ihn zu fangen, auf Eis und Schnee selbstredend. Die grobe Russenstolle ist auf Schnee hervorragend, auf Eis ohne Spikes nahezu wirkungslos – wen wundert’s ! Beim Eisarsch 2014 und 2015 zeigten uns Michi und Richy auf Emmen das ein Roller-Winterreifen auf leichtem Gefährt gerne mal den PS-starken Gespannen Konkurrenz machen kann. Vorne Spikes entspannen enorm wenn es winkelige Waldwege steil und kurvig bergab geht. Meine Empfehlung: Ein Winterreifen mit Spikes auf allen angetriebenen Rädern und vorne.

Treiber & Eisprinzessinen

Wir hatten die letzten Jahre recht milden Winter, mehr als -10°C erlebten wir nicht. Normal sind in der Gegend um Röros -20°C, und darauf hatten wir uns bekleidungsseitig vorbereitet. Unsere Eisprinzessin im Beiwagen fuhr mollig im Skianzug, bei Bedarf durch eine Heizdecke unter Po und Rücken aus dem Autozubehör unterstützt.

Der Treiber

ist das Ah und Oh einer gelungenen Winterreise. Fit und gesund sollte er sein, guten Muthes und unverzagt. Manch Unbill wird er hinnehmen, will er doch zurück am heimischen Herd und in geselliger Runde mit Ruhmestaten glänzen. Spaß beiseite: Wer mit einer dicken Erkältung losfährt, bekommt recht schnell ernsthafte Probleme. Unbeweglich auf dem Mopped bei Eis, Schnee und Regen zu sitzen ist der Gesundheit nicht eben förderlich. Um Wehwechen vorzubeugen ist eine hinreichende Ausrüstung des Treibers vonnöthen.

Helm, Brille und Visier

Ganz klar: Vollvisierhelm ! Im Winter und auf splittgestreuten Straßen ist es reiner Selbstschutz, selbst eine volle Ladung splitthaltiger Schneematsch vom LKW auf der Gegenfahrbahn ‚rübergeschmissen bedeuten dann nicht das Ende der Reise, Visier hoch, anhalten, saubermachen und weiter gehts. Einziges Problem das Beschlagen und so ab -5° vereisen des Visiers. Hier helfen keine Zaubermittelchen, in Grenzen nutzt ein PinLock- Doppelvisiereinsatz und natürlich die weitestgehende Ableitung der Atemluft nach unten. Hierfür bieten fast alle Helmhersteller Abweiser an, hilfreich ist auch eine vernünftige Sturmhaube welche nur Augenschlitze offen läßt (und bis zur Schulter ‚runtergeht, gerne auch mit Wärmefutter).

Am Besten wäre eine Visierheizung, die ist aber für kaum einen Helm erhältlich (mir fällt da nur HJC und SOL ein, die haben Heizvisiere für wenige Modelle, oder man googelt mal nach Helmen für Snowmobilfahrer aus Kanada, da gibt es komplette Systeme). Visierheizungen findet man auch im Netz als Bauplan – hier sollte der geneigte Bastler aber wissen was er tut !

Eine Sonnenbrille ist bei der im Winter tief stehenden Sonne – sofern sie scheint – fast unverzichtbar. In Norwegen’s Hochland brennt der Lorenz wie beim Skifahren in den Alpen, fahren im Gegenlicht wäre sonst unmöglich. Brillenträger sind hier IMHO mit dem Schuberth-Klapphelm mit integrierter Sonnenblende am Besten beraten, auch sonst eine gute Wahl (Nein, ich bekomme keinerlei Provison, leider).

Mitlerweile gibt es einige Erfahrung mit dem SOL-Helm: Das ist ein Klapphelm, hat eine integrierte Sonnenblende und halt ein Heizvisier. Nicht zu teuer, nicht die Qualität von Schuberth – aber eben ein funktinierendes Heizvisier. Nach den Erfahrungen dieses Jahr (2015) werde ich den für kommendes Jahr mal kaufen und probieren – immerhin wollen wir 2016 bis zum Polarkreis !

Bekleidung

Auch hier meine klare Empfehlung: Kunstfaser und atmungsaktiv ! Kein Leder, keine Wolle, höchstens als Kuschellage zum persönlichen Wohlbefinden. Wolle speichert Feuchtigkeit, Kunstfaser führt die ab – gemeint ist hier Sportunterwäsche, Fleece und Isolierschichten, klar. Gemeinhin nicht gerade billig, aber jeden Cent wert wenn es unter -10°C geht !

Wer jetzt fragt wieso atmungsaktiv und feuchtigkeitstransportierend sollte mal in dicker Kluft sein Moppedle aus einer Schneewehe ‚rausbuddeln, dann weiß er was ich meine. Man dampft derartig dass alle Naturprodukte dann nass auf der Haut liegen, gibt eine tolle Erkältung beim Weiterfahren !

Ein Nierengurt schadet nicht, darf ruhig der normale sein weil ist ja unter der Zwiebelschicht. Mir hilft er bei dem Gerüttel des herzhaft gefederten Gespanns über Eisplatten und Schotterstraßen beim Zusammenhalt der Bandscheiben.

Ich empfehle das Zwiebelprinzip, meine Präferenz von innen nach außen:
Thermounterwäsche Langarm / lange Hose
leichte Isolierschicht (Fleece, Polartec etc) Langarm / lange Hose
schwere Isolierschicht (Fleece, Polartec etc) Langarm / Latzhose
Außenhülle Goretex, Einteiler
Kann man drüber diskutieren, aber ein Einteiler ist einfach wärmer weil es nicht ziehen kann. Es muss ja nicht die Hyperkombi von Bringmichwerkstatt sein, eine Goretexkombi aus dem Industriebedarf kostet nur ’n Bruchteil.
Ich habe diesmal einen aus dem Angelbedarf stammenden Kälteschutzanzug mit geschlossenporigem Schaum als Isolierschicht, zusätzlich noch mit Fleece belegt, für kleinstes Geld 80 € auf einer Messe erstanden, gefahren. Sicherheitshalber war der Goretex-Einteiler mit dabei, aber das Zeug hat sich gut bewährt und ist durch seine Signalfarbe im dunkeln gut zu sehen. Am Einteiler aus dem Industriebedarf störten mich die fehlenden Taschen, wohin mit all dem Kram ? Trotzdem, sollte es unter -10°C gehen würde ich wieder die Kombi rauspellen, ist gefühlt tatsächlich wärmer !

Tja – man kann auch dazulernen: 2015 hatte ich eine der oft gerühmten A4 – Kombis, und was soll ich sagen: Warm und sogar wasserdicht und kein schwitzen ! Dennoch gilt obiges weil preiswert, dennoch fahre ich weiter mit dem A4. Hat sich halt bewährt !

Schuhwerk

Fast noch wichtiger als die Körperbekleidung sind die richtigen Schuhe, ebenso (nachfolgend) Stulpen und Handschuhe für die zarten Patschehändchen. Es ist schlicht so dass alles was dem Fahrtwind besonders ausgesetzt ist eben dessen Zugriff entzogen werden muss. -10°C sind gut erträglich (wissen auch die Skifahrer unter Euch), aber -10°C bei 60 km/h sind durch den Fahrtwind bereits rund -35°C und da hört der Spaß echt auf ! Also muss was winddichtes her, dass bei den Norwegenfahrern aus Sicherheitsgründen bis -50°C noch wärmen muss, wasserdicht sollte es auch noch sein damit man die teuren Schühchen auch beim Elefantentreffen nutzen kann.

Sucht mal nach SOREL, KAMIK und BAFFIN – teils gibt es bei diesen Händlern auch den Helm mit Heizvisier für Snowmobiltreiber. Die meisten Winterfahrer und auch Freund Frank lieben ihre Sorel, ich habe Baffin’s bis -70°C weil eben arg frostempfindlich. Keine schlechte Idee sind die Gummistiefel für kanadische Jäger, auch von den obigen Verdächtigen, denn leider hat es in den Fjorden schon mal Regen und auch die Anfahrt kann nass sein.

Ein Problem bei Winterschuhwerk ist die Betätigung von Bremse und Schaltung: Bedingt durch die mehrlagige Bauweise und einen Innenschuh tragen die Stiefelchen arg auf, beim Boxer beispielsweise gibt es Schwierigkeiten den dicken Fuß zwischen Zylinder und Bremspedal zu bekommen – Lösung ist dann das Pedal nach unten zu verlegen, was in Grenzen auch gut geht. Ideal eine Schaltwippe, die oftmals winzigen Hebelchen lassen sich sonst kaum erahnen.

Lenkerstulpen und Handschuhe

Versucht erst gar nicht wirklich regen- UND winterfeste Handschuhe zu finden, die gibt es eigentlich nicht. Es gibt zwar beheizbare Handschuhe, aber die haben nicht nur ihren Preis, sondern beheben nicht das Hauptproblem einer Winterfahrt – die zumindest bis Oslo möglichen Regenfahrten.

Als optimal haben sich sog. Stulpen herausgestellt, ggfs. in Verbindung mit Protektoren aus dem Offroad-Bereich. Gute lange Stulpen überlappen großzügig die Verbindungsstelle zwischen Ärmelende und Handschuh und sind so zugfrei, soweit in Fahrt auch wasserabweisend. Nachteil von Stulpen ist, dass man nicht mehr sieht was man da eigentlich an Schaltern und Griffen tut – aber wir fahrn ja eh‘ nach Gefühl, oder ? Mal eben schnell eine Hand rein und raus ist Übungssache, bitte nicht im dichten Verkehrsgewimmel probieren solange man es nicht beherrscht !

Hat man noch eine Griffheizung installiert, reicht zum Fahren dann meist sogar ein Skihandschuh aus Fleece – der sollte schon stabil sein und Gumminoppen oder einen Ledereinsatz auf der Innenseite haben um gut zugreifen zu können.

Bekannte Marke hier ist Bagster, die ganz billigen taugen eher nicht weil zu kurz und zu klein. Ich habe seit letztem Jahr die von Wunderlich für die GS’en, schön groß und lang und sogar mit Sichtfenster für die Schälterchen !

Beinkleid

Damit meine ich Kniedecken, eine Erfindung der Altvorderen die eben noch richtige Winter hatten, aber in der Bürohose zur Arbeit mussten. Es handelt sich um einen passend geschnittene mehr oder weniger dicke Überdeckung von Füßen, Beinen, Oberschenkeln bis hinauf zum Bauchansatz (wer’n hat), die mit Riemen am Rahmenrohr befestigt wird und im Idealfall so steif ist, dass man flugs auf den Sattel hüpfen und auch wieder runter kommt. Sie schützt zuverlässig vor Wind, Dreck, Schnee und Matsch/Wasser, das vom Vorderreifen aufgewirbelt sonst Schuh und Beine vollsauen würde. Da der Motor unterhalb der Kniedecke liegt ist es zudem kuschelig warm. Für stundenlanges Rumreiten bei echter Kälte unverzichtbar.

Heizung

Griffheizung natürlich. Halte ich in Verbindung mit Lenkerstulpen für die optimale Lösung. Nur regelbar müssten die sein, das sind handelsübliche aber nur in 2 oder 3 Stufen. Es gibt allerdings stufenlose Regler zum nachrüsten, das macht wirklich Sinn !

Dann kann man natürlich auch über eine Sitzheizung nachdenken. Muss nicht wirklich, ein Lammfell sieht einfach besser aus und wärmt den Poppes auch. Habe ich dank Frank’s unermüdlichem Basteleifer aber auch und möchte die nicht mehr missen, die ist vor allem regenunempfindlicher als ein Fell.

Für den Beifahrer, sofern einer im Boot zu sitzen kommt, ist eine Sitzheizung ein Muss, am schönsten noch die Kombi Lammfell UND Sitzheizung. Die bekommt man für kleines Geld bei jedem Autoladen, meine hat ca. 12 Euronen gekostet und läuft schon 2 Winter einwandfrei. Die beste Beiwagenbeifahrerin von allen dankt es mit einem Lächeln !

Das ganze Gelumpe muss natürlich befeuert werden, eine Lichtmaschine unter minimal 200W bekommt sonst dicke Backen. War für mich ein Grund auf die russische 400W-Lima umzusteigen, hat sich absolut bewährt.

Labsal und Atzung

Abhängig von Art und Umfang der geplanten Reise wird der Hotelgast wenig, der Hytten- und Zeltreisende deutlich mehr Proviant mitführen wollen. Problem sind nicht die Einfuhrbeschränkungen nordischer Länder (z.B. nur 0.5 L Bier pro Person – für den gesamten Urlaub !), es ist die simple Kälte. Wurst und Käse werden steinhart, die Büchse (oder Flasche) Bier friert ein und platzt genau wie die Wasserflasche, die Dose Suppe ist ein Eisklotz und so weiter.

Getränke
Also hochprozentiges ab Wein aufwärts für den abendlichen Abschluss, Tütensuppen, Kaffee oder Tee fertig in der Thermoskanne für die Pause unterwegs. Wasser ist überall zu bekommen (Schnee und Eis, Flüsse) und muss nur aufgetaut werden.

Essen
Unterwegs eigentlich nur über Tütensuppen oder eben den Feuertopf vom Feinkost Aldiér auftauen. Der Müsliriegel für unterwegs läßt sich prima als Eis lutschen, auch keine Lösung. Hauptmahlzeiten sind halt Frühstück und Abendbrot, da hat oder nimmt man sich einfach mehr Zeit. Wenn vorhanden kann man natürlich auch Essen gehen, das ist lecker aber halt norwegisch exorbitant teuer. Die an Tankstellen oder einfach auch nur so schon mal anzutreffenden Imbißbuden sind für den kleinen Hunger zwischendurch hinreichend.

Kochen
Die bekannten blauen Gaskartuschen geben unter 0°C auf, ab -5°C verdampft das Butan schlicht nicht mehr. Spirituskocher haben keine Leistung, bleiben nur Petroleum- und Benzinkocher. Beide haben ihr für und wider: Petroleum muss vorgeheizt werden, brennt dafür sauberer und ist energiereicher, Benzin hat man immer dabei, rußt aber und müffelt etwas.

Technik

 Treib- und Schmierstoffe:

Vorab, niemand hatte bis dato Probleme. Ausser Bernd mit seinem Seitenventiler fuhren alle Motoren stinknormale Winter-Mehrbereichsöle, im Getriebe ebenfalls keine besonderen Säfte. Benzin ist in Norwegen im Winter eh mit einem ‚Kondensfjerner‘ versetzt, die sicherheitshalber für besonders tiefe Temperaturen mitgeführten Spiritusvorräte gegen Vergaservereisung brauchten wir wegen der hohen Temperaturen nicht angreifen.
 Zündung und Vergaser:

Durch die in den Tälern bei Tauwetter nassen Strassen wird das komplette Gespann schnell eine graue Strassenschmutzpatina annehmen, Dreck und Feuchtigkeit allerorten. Wir hatten wasserdichte Kerzenstecker verbaut und mit allen möglichen Tricks der eindringenden Feuchtigkeit Sperren in den Weg gelegt – mit Erfolg. Bewährt hat sich für die Elektrik das vorsorgliche Einsulchen mit einer Wassersperre wie WetProtect aus dem Boostzubehör.

Bei einer Panne sollte man autark sein: Zum einen ist nicht überall Handyempfang, weiter kann es Stunden oder Tage dauern bis ein Transport arrangiert werden kann. Hier hilft die Sicherheit durch die Gruppe: Notfalls wird abgeschleppt oder halt das Moppedle bis zur Versorgung stehen gelassen. Hinreichend Ersatzteile und gutes Werkzeug sind mitzuführen, bei gleichartigen Fahrzeugen vermeidet eine vorherige Absprache unnötiges Gewicht.

Unterkunft

Die größte Herausforderung mit zB 7 Leuten und 6 Gespannen unterwegs stellte die allabendliche Hytte-Suche dar. Durch häufige Streckensperrungen, ok, auch mitverusacht durch unsere Vorliebe für allerkleinste Verbindungswege quer durchs Hochland, war mittags nicht immer klar wo wir abends landen würden. Zudem wird es im hohen Norden recht früh duster, was die Streckenfindung nicht gerade erleichtert und die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Eis und Schnee unter die ansonsten angestrebten 40km/h drückt. So sind wir einmal erst um 22:00 unter Dach und Fach gekommen, zuverlässig ab dem ersten Tag aber immer im Dunkeln.

Das Zelten wird einem so ein wenig verleidet, im Dunkeln auf solider Harsch- oder Eisunterlage das Gehäuse aufbauen motivert nicht wirklich und so haben wir uns kurzentschlossen täglich neu für die abendbiertaugliche Hytte entschieden. Wenn möglich sollte man spätestens am Nachmittag den Campingführer und das Handy zücken und mögliche erreichbare Ziele abtelefonieren: In Røros z.B. findet im Februar der Rørosmarknad statt, ein mittelalterlicher Markt mit Kirmes und allem Brimborium, der täglich bis zu 75.000 Besucher anzieht und jedwede Unterkunftsuche zuverlässig vereitelt.

Nun wissen wir auch warum größere Treffen in der Region im Hotel stattfinden: Ab einer gewissen Größe sind ungeplante Stationen schlicht nicht mehr möglich. Meist war neben den von uns okupierten noch die eine oder andere Hytte frei, aber ich denke so bei 9-12 Schlafplätzen ist schlicht die Grenze.

Noch mehr Tipps und Hinweise

Karten und Navi:
Wir haben uns mit der Cappelen-Karte Mittel-Norwegen, auf der auch winzigste Verbindungen enthalten sind sowie Hinweise zu Wintersperrung und Boompenge (Maut) wie auch Google Maps zur Streckenplanung vorbereitet. Das die Realität in Form von Strassensperrungen oder Schneestürmen, andererseits dem unhaltbarem Fahrdrang der Gruppe Planungen schon einmal umschmeißt, dürfte klar sein. Die Cappelen-Karte leistete auch unterwegs gute Dienste. Die mitgeführten Navi (Garmin, TomTom) sind bei Überlandreisen nett, damit Nebenstraßen zu überblicken und interessante Abstecher zu planen jedoch nahezu unmöglich – es fehlt schlicht der Überblick. Schön ist aber, wenn man mal wieder irgendwo in der Pampa strandet, die Funktion zu Suche des nächsten Campgrounds: Sogar die Rufnummern sind in den Kisten drin !
Kommunikation: Telefonieren über Handy fast überall möglich, lediglich auf den Hochlandpisten kann es schon mal auch über 20/30km keine Verbindung geben.
Kosten: Der teuerste Einzelposten ist – der Sprit. Bei Verbräuchen um 7-10 l/100 km je nach Mopped, Gelände und Fahrweise kommen bei Preisen von Normalbenzin um die 1,50 € schnell Summen zusammen. Die Fähre kostet im Gruppentarif und Nebensaison runde 330 € pro Nase und Gespann, der Normalpreis liegt weit darüber. Wir haben nur Hüttenplätze angefahren, je nach Größe und Ausstattung haben wir zwischen 700-1.400 NOK (90-180 €) für die Nächtigung der ganzen Gruppe gezahlt, eine 6er Hütte kostet fast überall um die 720 NOK. Man kommt also auf runde 1.000 € pro Ross und Reiter, Mitbringsel nicht gerechnet.
Versorgung: In den Städten und größeren Ansiedlungen volles Versorgungsprogramm, auf dem Lande übernehmen häufig Tankstellen mit kleiner Kühltheke, Konserven und einem Geldautomaten die Grundversorgung. In kleinen Dörfern gibt es nix, die nächste Tankstelle kann schon mal 50km entfernt sein – Reservekanister !
Einkaufen, Geld: Am einfachsten mit VISA oder MasterCard. EC-Geldautomaten gibt es häufig und an fast jeder Tankstelle. An der Grenze zu Schweden werden auch schon mal € genommen.

Fazit: Eine Norwegenreise im Winter…

…ist in jedem Fall ein löbliches Unterfangen. Selbst die lange Anreise wird durch die gebotene Mini-Kreuzfahrt auf den neuen luxuriösen Schiffen der Color-Line zu einem Ereignis. Die Landschaft, Fauna und Flora und vor allem die freundlichen Einwohner entschädigen für das rauhe Klima. Mit umsichtiger Planung, etwas Wetterbeobachtung, schützender Kleidung, einem guten Gespann, ein wenig Glück und gesundem Respekt vor Eis und Schnee ist die Fahrt selbst über kleinste Nebensträßchen kein größeres Problem. Wer es wagt wird mit einem fetten Dauergrinsen beim Wedeln über die kleinen verschneiten Nebensträßchen belohnt !

2 thoughts on “Winterreisen im Norden”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert